Tag Archive | Film & Fernsehen

Was das Kinojahr 2013 war und 2014 wird

Mein Jahresauto fährt auf dem Beschleunigungsstreifen. Ich setze den Blinker, schaue über die Schulter zurück nach 2013, um voller Kraft voraus auf die Autobahn zu fahren, welche 2014 ist. Alberne Automethaper hin oder her, hier sind meine nachträglichen Top 10 der Kinofilme 2013 im Schnelldurchlauf und ein kurzer Ausblick auf 2014.

Top 10 – 2013

1. Django Unchained

2. Inside Llewyn Davis

3. Der Schaum der Tage

4. Frances Ha

5. Gravity

6. Drecksau (Filth)

7. Catching Fire

8. The World’s End

9. Die Jagd

10. The Place Beyond The Pines

Darauf freue ich mich 2014 (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge)

1. Only Lovers Left Alive (Tom Hiddleston und Jim Jarmusch ftw! Der startete näher am 2014. Jahr der Zeitrechnung als am 2013.)

2. A Long Way Down (Nick Hornby ftw! Wo bleibt der Trailer?!)

Die Tatsache, der der schon im April kommen soll und er auf noch keinem Festival lief und kein Trailer existiert, lässt mich langsam befürchten, dass das Ergebnis nicht so geworden ist, wie gewünscht. Aber ich warte jetzt seit 2006, als ich das Buch verschlungen habe, auf den Film. Es muss gut werden.

3. Anomalisa (Ja ist kein Kinofilm, aber Charlie Kaumann und Dan Harmon ftw! ich hoffe auf eine 2014 Veröffentlichung)

4. 12 Years A Slave (Chiwetel Ejiofor ftw!)

5. Her (Spike Jonze ftw)

6. Interstellar/Jupiter Ascending/Transcendence/Snowpiercer (Science Fiction 2014 ftw!)

7.  Anchorman 2 (Ron Burgundy ftw!)

8. Nebraska (Alexander Payne ftw!)

9. Grand Budapest Hotel (Wes Anderson ftw!)

10. The Stag (Andrew Scott ftw!)

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Carrie – Kritik

Bevor ich hineintauche in die Welt von Satans jüngster Tochter Carrie muss ich gestehen, dass ich weder Stephen Kings Roman noch die Verfilmung von 1976 mit Sissy Spacek gesehen habe. Umso unvoreingenommener konnte ich die Neuverfilmung von Kimberly Peirce (Boys don’t cry) auf mich wirken lassen. Alles, was ich vorher wusste, beschränkte sich auf das Wissen um die zerstörerischen Kräfte von Carrie und ihr letztendlicher Rachefeldzug gegen ihre jungendlichen Peiniger. Stellt sich heraus: Mehr gibt es auch nicht zu wissen.

Carrie White ist auf den ersten Blick ein ganz normaler Teenager. Vielleicht etwas schüchtern und nicht die Beliebteste in ihrer Klasse von potenziellen Next-Topmodel-Kandidaten. Doch als sie am Tag des Schwimmunterrichts ihre Periode bekommt, wissen wir, dass mit ihr irgendetwas nicht stimmt. Volkommen ahnungslos, was mit ihrem Körper passiert, wird sie von ihren Klassenkameradinnen mit Tampons und Binden beworfen. Beschämung, Demütigung und Angst kumulieren in einem ersten Ausbruch ihrer Wut in Form einer platzenden Glühbirne. Carries streng gläubige, fanatische Mutter tut ihr übriges, dass Carrie zur Außenseiterin wird und Grund genug bekommt, ihre Kräfte anzuwenden.

Ein bisschen wirkt Carrie wie der feuchte Traum eines waschechten High School Musical-Hassers. Ausnahmslos jedes späte Opfer im Film ist die Karikatur eines klischeehaften High School Schülers. Wir haben die blonde Bitch mit Gewissen, die brünette Bitch ohne Gewissen, den liebenswerten Footballspieler, die verständnisvolle Lehrerin und eine Reihe Kanonenfutter für Carries Racheaktion. Und alle sehen aus wie aus der Model-Retorte. Carrie sieht dazwischen wie die Hauptfigur in einem Anime aus.

9gag

9gag

Aber nicht nur das Äußere der Charaktere wirkt wie der verzweifelte Versuch Carries Außenseiterstatus auf plumpe Art zu manifestieren. Chloë Grace Moretz‘ Schauspiel wirkt wie aus einem Buch mit dem Namen Acting scary for Dummies. Chloe hat die Kapitel über subtile Zwischentöne übersprungen und sich auf den Schnellkurs Mannerisms 101 beschränkt. Hier einmal den Kopf zur Seite neigen, wilde Gestiken mit den Händen (wir müssen ja schließlich sehen warum die Möbel plötzlich fliegen), bedrohlich von unten in die Kamera gucken, sich selbst beim Weinen umarmen (das wirkt verzweifelter!).  Und so stellt sich nach und nach ein Déja-vu ein, in Sinne von „Oh, genauso sehe ich aus, wenn ich versuche mit der Force automatische Schiebetüren zu öffnen. Drama, baby, drama!“. Des Overactings macht sich Julianne Moore als sich selbst ritzende, fanatische Gottesanbeter-Mutter weniger schuldig. Allerdings ist auch ihr Charakter so breit angelegt, dass er fast zur Parodie verkommt. Und das ist das größte Problem von Carrie. Der Film hat keine echten Menschen, nur Stereotype.

Aber kann der bekannten Handlung wenigstens etwas Neues abgewonnen werden? Wie gesagt, ich kenne die Vorlage nicht, Aber das, was Carrie bietet, ist eine lineare, klassisch erzählte Geschichte ohne Wendungen und Überraschungen. Nichts gegen Linearität, wenn sie gut ausgeführt ist. The Conjuring hat es zum Beispiel geschafft, dass Horrorgenre nicht neu zu erfinden, aber eine quasi-bekannte Geschichte frisch, aufregend und gruselig (!!) zu erzählen. The Conjuring funktionierte nicht zuletzt deshalb, weil der Film sich für seine Charaktere Zeit nimmt und sie so zeichnete, dass ich mich mit ihnen identifizieren konnte. Bei Carrie war mir ziemlich egal, was mit irgendeinem Charakter passierte. Natürlich bekommt die brünette Bitch am Ende ihre Rechnung (ihr Tod war aber ganz nett inszeniert). Natürlich musste Crazy-Mom am Ende ans Kreuz genagelt werden. An Kunstblut wird wahrlich nicht gespart. Auch nicht an kreativen Sterbearten à la Final Destination. Trotzdem tue ich mich schwer Carrie als Horrorfilm zu bezeichnen. Splatter? Vielleicht. Ich tue mich tatsächlich schwer, Carrie als überhaupt etwas zu bezeichnen. Schade.

Carrie kommt am 05. Dezember 2013 ins Kino.

Inside Llewyn Davis – Kritik

Die Coen-Brüder kehren nach ihrem letzten Film, A Serious Man (2009) mit einem Film über Folkmusik-Szene in den endenden 60er Jahren zurück. Erste Trailer zeigten den Titelhelden Llewyn Davis durch New Yorker Straßen wandern, immer eine orange getigerte Katze auf dem Arm. Katzen? Folkmusic? Coen-Brüder? Yes please! So gesehen war meine Vorfreude auf  Inside Llewyn Davis auch riesig. Er ist für einen Film, der im Kern eine ziemlich traurige Geschichte erzählt, unglaublich lustig, besitzt eine ganze Reihe von zitierbaren One-Linern und einen Cast, der die knapp 2 Stunden wie im Fluge vergehn lässt. Aber der Reihe nach.

Hold me fast, ‚cos I’m a hopeless wanderer

Oscar Issac spielt den erfolglosen Folk-Musiker Llewyn Davis, der Ende der 60er Jahre sein Dasein als Zwischen-Act im New Yorker Gaslight Café fristet. Ständig in Geldnot schläft er jede Nacht auf einem anderen Sofa – bei Bekannten, Freunden oder Famillie – um nicht unter einer Brücke leben zu müssen. Seine Schwester Joy (Jeanine Serralles) ist genervt, dass er sein Leben nicht auf die Reihe bekommt und  Jean (Carey Mulligan) erwartet ein ungewolltes Kind von ihm, das aus einem One-Night-Stand entstanden ist. Es ist nicht das Leben, was sich Llewyn erträumt hat. Das Leben, was er als wahres Leben betrachtet.  Er ist zu idealistisch, um das „normale“ Leben mit einem „normalen“ Job als erstrebenswert abzu sehen. Und mit seiner immer wieder aufbrausenden Fuck-You-Attitüde stößt Llewyn selten auf Gegenliebe.  Also wandert er ziellos durch New York, nimmt jede noch so kleine Chance wahr, seinen Traum von der Musik leben zu können, zu verwirklichen und landet am Ende doch wieder da, wo er begonnen hat.

Inside Llewyn Davis © StudioCanal

If it’s never new and it doesn’t get old, it’s a folk song

Das Dilemma, in dem Llewyn steckt, hat nichts mit der Qualität seiner Musik zu tun. Die Folk-Szene 1969 wird von der damaligen Plattenindustrie schlicht und einfach nicht ernst genommen. Dieses Gefühl der Ablehnung schlägt Llewyn Davis entgegen, wohin er auch kommt. Auf dem Weg nach Chicago in einem Auto mit John Goodmans Roland Turner, im Chicagoer Gate of Horn Nachtlub und von seinem eigenen Manager. Und selbst als Zuschauer fand ich mich immer wieder über die unfreiwillig komischen Folk-Gestalten schmunzeln und lachen. Die Belustigung hält jedoch nur solange an bis die Musik einsetzt. Denn die ist fantastisch. Sogar die Played-For-Laughs-Nummer Please Mr. Kennedy interpretiert von Oscar Isaac, Adam Driver und Justin Timberlake ist toll und verdammt eingängig.

Marcus Mumford hat bei Inside Llewyn Davis als Music Supervisor fungiert und arrangierte zusammen mit T-Bone Burnett die Traditionals, Blues- und Folk-Nummern.  Gäbe es eine Oscar-Kategorie Best Adapted Song, stünde Hang me, oh hang me, If We Had Wings oder Fare Thee Well sicher auf der Nominiertenliste. Die Hoffnungen liegen nun auf den Grammys.

Hang me, oh hang me in einer Version von J.B. Berverly:

Inside Llewyn Davis ist keine Spielfilmversion von Searching For Sugarman, keine Rags-To-Riches-Story und erst recht kein Fake-Biopic.  Joel Coen und Ethan Coen erzählen sehr zurückgenommen und ohne jeglichen Pathos und Meta-Aussagen über das Leben eine Geschichte, in der der Held am Ende wieder dort ankommt wo er angefangen hat. Oscar Issacs Llewyn Davis erträgt sein Schicksal und die Schrullen seiner Mitmenschen mit ausdrucksloser Trockenheit, die einen Großteil des Humors ausmacht. Sein inneres Augenrollen kann man sich immer dazu denken. Überhaupt ist Inside Llewyn Davis mitnichten ein ernster Film. Ernsthaft in den Gefühlen seiner Charaktere und Schicksalsschläge, aber nie deprimierend. Der Humor entsteht aus den pointierten Dialogen, die mindesten so zitierbar sind wie in The Big Lebowski und den stellenweise karikaturesken Charakteren.

Als Llewyn dem grummeligen Rücksitz-Passagier Roland Turner vom Selbstmord seines Musik-Partners Mike erzählt, kommentiert dieser in belehrenden Worten:

„George-Washington-Bridge? You throw yourself off the Brooklyn-Bridge…traditionally! George-Washington-Bridge, who does that?“

An einer anderen Stelle fragt Jean ernsthaft besorgt:

„Do you ever think about the future at all?”

Worauf Llewyn antwortet:

„Do you mean flying cars? Hotels on the moon?“

Niemand nimmt Llewyn ernst, warum sollte er dann irgendjemanden ernst nehmen. Hinter Llewyns großem Idealismus steckt auch eine große Portion Desillusion – von seinen Freunden, seiner Familie und vom Leben. Der Kreis schließt sich am Ende als hoffnungsloses Déjà-vu. Da passt es auch, dass uns Llewyn Davis mit einem einfachen, französischen Au revoir in die Credits entlässt.

Inside Llewyn Davis ist ein wunderbarer Film für alle Musikliebhaber, Freunde guter Drehbücher und Fans der Coen Brüder, John Goodman, Carey Mulligan und der Serie Girls (wegen Adam Driver und Alex Karpovsky). Die Coens werfen wieder viele Zutaten, wie Comedy, Drama, Film-Noir, in den Mixer und schaffen ein Werk, was sich sehr gut ein zweites, drittes und n-tes Mal gucken lässt.

 Inside Llewyn Davis kommt am 20. Dezember 2013 in die Kinos. Der Soundtrack wird am 08. Novermeber 2013 erscheinen.

P. S. Der Name der Katze ist Ulysses. Ulysses!

About me

Warum zur Hölle noch ein Blog über Filme?

Ich spiele schon seit längerem mit dem Gedanken ein Blog zu schreiben. Allerdings mangelte es mir immer an Motivation. Ich war noch nie der Typ, der irgendwas nur für sich tat. Nur wenn jemand beginnt, mir fürs Schreiben Geld zu geben, mir Geld für Nicht-Schreiben wegnimmt oder oder auf andere Weise versucht, den Uses-and-Gratification-Ansatz an mir zu erforschen, funktioniert das ganz gut. Was verspreche ich mir also für einen Nutzen und eine Belohnung von diesem Blog? In erster Linie will ich einfach das weiter verfolgen, was mir im Redaktionspraktikum bei moviepilot so viel Spaß gemacht hat – über Film und TV schreiben. Ich schlag mir sowieso schon de ganze Nacht mit Serien und Filmen um die Ohren, warum soll dabei nicht mehr herumkommen als viereckige Augen und verpasste Vorlesungen am Morgen? Vielleicht interessiert das ja den einen oder die andere?

Wenn wir das Warum? geklärt hätten, würde ich zum Wer überhaupt? kommen.

Wer bin ich überhaupt?

Ich bin Juliane und stehe derzeit an der Schwelle zum berüchtigten Ernst des Lebens. Mein Bachelorstudium in Medienmanagement ist abgeschlossen (Yay!) und das Ende meines Masterstudium in Information and Communication Science ist in drei-semestiger Sichtweite (Überschreitung der Regelstudienzeit nicht eingeschlossen). Soweit die hard facts. Nun noch schnell eine Aufzählung von Filmen und Serien, die ich sehr mag (das kann natürlich gar keine definitive Liste sein). Ich vermeide mit Absicht ein Lieblings- davorzusetzen.

Filme: Lost in Translation, Eternal Sunshine of the spotless mind, Lord of the Rings-Trilogie, Ed Wood, Singin‘ in the rain, Frost/Nixon, Moon, Living in Oblivion und viele, die ich jetzt vergessen habe

Serien: Lost, Community, Sherlock, Girls, Louie, Breaking Bad, Gilmore Girls, Masters of Sex, New Girl, und wieder viele, viele mehr

Und worüber schreibt ich jetzt genau?

Ich habe vor über Popkultur zu schreiben. Mehr an Konzept steht bisher noch nicht. Wer weiß, vielleicht verfliegt die Motivation auch genau so schnell wie sie gekommen ist. „I’m soooo changable!“ – Moriarty, Sherlock.