Larry Gopnik & Llewyn Davis – Die Mathematik des Geschmacks

„The math tells how it really works. That’s the real thing; the stories I give you in class are just illustrative; they’re like, fables, say, to help give you a picture. An imperfect model. I mean – even I don’t understand the dead cat. The math is how it really works. „ – Larry Gopnik

Larry Gopnik und Llewyn Davis sind zwei komplett verschiedenen Charaktere, deren Geschichten allerdings viele Parallelen aufweisen. Beide Charaktere sind Opfer ihrer Zeit, ihres Umfelds und vor allem ihrer Persönlichkeit. Beide sind auf die eine oder andere Weise heimatlos. Und beide durchleben eine Odyssee aus Ablehnung, Missverständnissen und laufen regelmäßig gegen Backsteinwände, nur um am Ende wieder dort anzukommen, von wo sie gestartet sind. Llewyn aus dem harten Boden der Realität nach einem Auftritt im Gaslight Café, und Larry korrumpiert und konfrontiert mit einer ärztlichen Diagnose. Doch während Inside Llewyn Davis eine  bestimmt Saite in mir anschlägt und noch lange nachhallt, werde ich bei A Serious Man nur wütend. Ich habe mich gefragt, warum das so ist. Warum eine so ähnliche Geschichte des Scheiterns zwei so komplett gegensätzliche Gefühle in mir auslösen kann. Die Antwort ist gar nicht so kompliziert und beruht im Endeffekt auf einfachster Mathematik. Aber ganz von vorn.

Die Mathematik des Geschmacks

LarryLlewyn

Zu allererst fällt auf, dass Larry und Llewyn das genaue Spiegelbild voneinander sind. So sehr, dass sie in den Schuhen des jeweilig anderen vielleicht erfolgreicher durch Leben gehen würden. Llewyn Davis möchte Erfolg haben, aber nicht so sehr, dass er dafür seine Ideale verraten würde. Er ist oft selbstgerecht und impulsiv, was ihm bei seinen Freunden und seiner Familie – und letztendlich im Business – nicht gerade Pluspunkte einbringt.

Larry Gopnik dagegen ist einer, der nicht so richtig weiß, was er will. Der am glücklichsten ist, wenn alles so bleibt wie es ist. Er ist zurückhaltend, lässt sich leicht aus dem Konzept bringen und um sein Durchsetzungsvermögen ist es auch nicht gut bestellt. Seine größte Angst ist es, kein guter Mensch zu sein. Was Llewyn an Selbstlosigkeit fehlt, besitzt Larry in potenzierter Form.

Somit sind auch viele der Probleme, die  beiden Helden begegnen selbstgemacht. Das Sprichwort „Wie man in den Wald ruft, so schallt es auch heraus“ trifft auf beide zu. Und hier kommt der entscheidende Punkt: Llewyn lässt sich den (selbst eingebrockten) Bullshit nicht bieten. Er fühlt sich als der missverstandene, geschädigte, verkannte Künstler und gefällt sich in dieser Rolle recht gut. Ich brauche kein Mitleid mit ihm haben, da er schon genug Mitleid mit sich selbst hat. Was übrig bleibt ist eine Distanz, die es mir möglich macht, Llewyn zu verstehen, seine Handlungen nachzuvollziehen, aber mich nicht zu sehr mit ihm zu identifizieren. Die Comedyelemente funktionieren so bei Inside Llewyn davis viel besser als bei A Serious Man. „Was für eine traurige Geschichte“, sagte ich mit einem Lächeln auf den Lippen, als ich aus dem Kino kam.

Larry Gopnik auf der anderen Seite hat nur das einzige Ziel ein guter Mensch zu sein und merkt dabei nicht, dass er von allen Menschen um ihn herum ausgenutzt wird. symptomatisch dafür ist die Szene als Larry vor seiner Noch-Frau und Sy Abelman sitzt, die ihm zu erklären versuchen, was das Beste in dieser Situation sei. Larry sitzt da, versucht sich zu verteidigen, seine Gedanken zu äußern und wird von der passiven Aggressivität seiner Frau und Sy Abelmans ekelerregendem Gutmenschentum mundtot gemacht. Nichts, was er versucht zu sagen, kommt bei seinen Gegenübern an. Larry, Sie haben die Pflicht zu schweigen. Alles, was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden. A Serious Man schauen, ist wie mit trommelnden Händen gegen eine Schalldichte Scheibe zu klopfen und „Larry, grow some balls!!“ zu rufen. Nur Larry hört nicht, kann nicht hören. Das ist anstrengend.

Wir halten fest:

Inside Llewyn Davis = – (A Serious Man) 

Like = Inside Llewyn Davis

Like = – (A Serious Man)

A Serious Man = – Like

– Like = Dislike

A Serious Man = Dislike

Quod erat demonstrandum.

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2 responses to “Larry Gopnik & Llewyn Davis – Die Mathematik des Geschmacks”

  1. Miss Booleana says :

    Ich wusste nicht, dass ich es brauchte, aber ich finde es toll: Filmbesprechung mit mathematischem Beweis. 🙂

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  1. Blogophilie Juli 2014 | miss booleana - August 12, 2014

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