Last Forever: Über das Ende von HIMYM

+++Vorsicht. Der nachfolgende Text enthält Spoiler zum Ende von How I Met Your Mother. Betreten auf eigene Gefahr. Eltern haften für ihre Kinder+++

Im Scherz sagte ich vor ein paar Tagen zu meinem Bruder: „Vielleicht erzählt Ted seinen Kindern die Geschichte, wie er ihre Mutter kennenlernte, weil sie gestorben ist.“ Wir mussten kurz schmunzeln ob der Unmöglichkeit dieser Möglichkeit. Nun sitze ich hier. Neben mir liegen zwei vollgeheulte Taschentücher und ich frage mich, wann eine Sitcom je auf einer so bittersüßen Note endete. Chandler und Monica bekamen ihre Kinder, Ross und Rachel bekamen sich, genauso wie J.D. und Elliott. Sogar das ironische 30 Rock endete glücklich. Für eine Sekunde sah es auch so aus, als würde How I Met Your Mother damit enden, dass die Gang, jeder glücklich verheiratet, bis ans Ende ihrer Tage im MacLaren’s Glen McKennas schlürfen würde. Stattdessen bekamen wir eines der traurigsten und trotzdem befriedigendsten Sitcomfinales, über das glaube ich noch lange gesprochen wird – sicherlich nicht unkontrovers. Und dabei hatte ich How I Met Your Mother eigentlich schon längst abgeschrieben.

„Jumping the Shark “ rückwärts

Ich glaube es war irgendwann in der siebten Staffel als ich HIMYM langsam überdrüssig wurde. Die Witze waren lahm, das ewige hin und her zwischen Ted und Robin war mir inzwischen scheißegal und auch die Beziehung von Barney und Robin kaufte ich keine Sekunde ab. Zu Beginn der achten Staffel konnte ich nicht mal mehr das Interesse aufbringen, überhaupt weiterzugucken. Irgendwann würde ich schon noch dazu kommen, die letzten paar Folgen zu schauen. Der Vollständigkeit halber.

Aus einer Laune heraus war der Tag Mitte Januar gekommen. Vielleicht war es die lange Pause, die niedrigen Erwartungen oder tatsächlich die Qualität der neunten Staffel, aber ich habe wieder über HIMYM lachen können. Das Konzept der 48h ging trotz meiner großen Bedenken auf. Und dann passierte noch etwas viel merkwürdigeres während ich die neuen Folgen sah: Ich weinte! Und ich weine nicht bei Sitcoms. Nie. Aber nun kam mir immer dann die ein oder andere Träne der Rührung, wenn wir in Flashforwards an Ted und Tracys Leben teilhaben konnten. Habe ich gespürt, dass hier eine Tragödie statt einer Komödie erzählt wird?

Last Forever

Fast ein Jahrzehnt habe ich mit Ted, Robin, Marshall, Lily und Barney verbracht. So sehr ich mich über die Qualität der Serie bisweilen ärgerte, die Gang ist mir in neun Staffeln natürlich ans Herz gewachsen. In Last Forever wurde mir das so sehr und so schonungslos vor Augen gefühlt, dass ich zwischen einem schluchzenden „well played, Thomas and Bays“ und einer erzürnten Interpretation von „Quit playing games with my heart“ oszilliere.  Doch je mehr ich über das Ende nachdenke, desto mehr glaube ich, dass kein anderes Ende möglich gewesen bzw. befriedigend gewesen wäre. Ich finde es einen mutigen Schritt, die Figur zu „töten“, um die es im Titel der Serie geht. Die Figur, die Ted, dem unglücklichen und ewigen Romantiker, endlich dazu brachte, mit dem Suchen aufzuhören. Die Figur, die so liebenswürdig geschrieben, so sympathisch gespielt wurde. Die Figur, deren Einführung acht Staffeln gedauert hat. Ich müsste mich doch als Fan betrogen fühlen. Doch stattdessen ziehe den imaginären Hut vor Last Forever.

Gerade bei einer Serie, deren Prämisse das Ende eigentlich schon verrät, ist es doppelt so schwer überraschend und befriedigend zu sein. Es wäre einfach gewesen, die Serie mit „Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage“ zu beschließen. Aber so einfach ist das Leben nicht. Natürlich lassen sich Barney und Robin wieder scheiden. Die Ehe war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Marshall musste nun einmal viele Jahre lang in einem Scheißjob arbeiten, bevor er seinen Traumjob bekam. Und leider, so ist es manchmal im Leben, verlor Ted die Frau, die er liebte. Das Leben ist eine Sinuskurve auch wenn sie hier im Sinne der Dramaturgie besonders viele Extremstellen besaß.

Am Ende von Last Forever passiert das, was ich mir nie gewünscht hätte, inzwischen für unmöglich hielt und nie abgekauft hätte – wäre es nicht im Jahre 2030 passiert. Teds Geschichte endet wie sie begann, mit einem blauen Horn. Es ist das Ende, welches diese Serie verdient und ich habe nur eine Erklärung, warum es für mich überhaupt funktioniert hat. Ted hat verdammt nochmal ein Happy End verdient. Kein anderer Charakter wurde von den Autoren so sehr durch alle Höhen und Tiefen des Lebens gejagt. Das Konzept der Serie verbot ihm, vor Ablauf der letzten Staffel sein Glück zu finden. Und die Autoren der Serie entrissen ihm das Glück nach Erfüllung der Prämisse sofort wieder. Und deswegen, nur deswegen geht Ted und Robin in Ordnung.

Und so ist HIMYM doch keine mathematische Funktion, sondern ein Kreis. Ein überraschender, tragischer und letzten Endes doch befriedigender, sinuskurvenartiger Kreis. A beautiful mess, wie das Leben irgendwie.

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5 responses to “Last Forever: Über das Ende von HIMYM”

  1. faulit says :

    Als Fan kann man nie wirklich zufrieden sein (außer bei Pushing Daisies vielleicht), weil man die Figuren liebt und dementsprechend in der Vorstellung ein immer noch besseres Ende kennt. Von daher verstehe ich die Enttäuschung vieler über das Finale. Ich bin aber Meinungsmäßig auf deiner Seite. War zu Tränen gerührt, konnte über einige Witze der letzten Staffel wieder lachen (gerade die zweite Hälfte hat sich gemausert), fand viele der Running Gags wieder großartig und sehe insgesamt ein stimmiges Finale. Vllt. ein bisschen zu voll gepackt und zu schnell. Aber insgesamt stimmig.
    Sehr schön geschriebenes Review.

  2. happiestnerdintown says :

    Es war einfach nur traurig und sowas darf man meiner Meinung nach als Comedyserie nicht machen. Erst über Jahre die Erwartungen an die Mutter hochsetzen und diese perfekte Frau dann, nachdem man sie eine Staffel lang ins Herz geschlossen hat, so billig durch Robin zu ersetzen…

    Ich meine, ja, es ist komisch, dass die Geschichte eines Vaters über das Kennenlernen seiner Mutter mit einer anderen Frau beginnt, aber dieses Finale war einfach nur fies. Hätte Ted auf die alberne Unterstellung seiner Kinder nicht besser mit „It was about a lot…“ oder ähnlichem antworten sollen, als Schlusssatz? In meinen Augen wäre es ein würdigeres Ende gewesen.

    OT: Ich möchte dich gern dazu einladen, dich am Blockstöckchen Best-Blog-Award teilzunehmen und meine Fragen zu beantworten. 🙂

  3. Der Bernd says :

    Ein Kreis ist nicht Sinuskurvenförmig fadammt, das geht doch gar nicht :O

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