Sherlock – His Last Vow – Kritik

Was bisher geschah: 

Sherlock – The Empty Hearse – Kritik

Sherlock – The Sign of Three – Kritik

Ich bin sehr leicht zu begeistern. Nein, das ist nicht ganz korrekt. Ich neige dazu, Serien und Filme, die ich liebe, auf einen unnatürlich hohen Thron zu heben, Schwachstellen wegzurationalisieren und mich in tumblr, reddit und imdb-boards zu verlieren. Auf der Verrücktheitsskala steh ich kurz vorm Kaninchenbau und blicke hinab in die .gif, fanfiction und headcanon Hölle. Mein pressure point in dieser Hinsicht kann ganz gut mit FLCS  zusammengefasst werden: Friends – Lost – Community – Sherlock. Deswegen kann ich nicht anders – obwohl es zum guten Ton zu gehören scheint, Steven Moffat zu hassen – The Last Vow auf einen verdient hohen Thron zu heben, (kaum vorhandene) Schwachstellen wegzurationalisieren und mich in tumblr, reddit und imdb-boards zu verlieren.

Wenn bei The Empty Hearse und The Sign of Three die Kriminalfälle noch stiefmütterliches Beiwerk neben den zwischenmenschlichen Problemen der Protagonisten waren, verwebt His Last Vow gekonnt Endbosskampf mit Charakterentwicklung. Der Konflikt mit dem villain of the series, Charles Augustus Magnussen (Lars Mikkelsen), resultiert direkt aus dem Beziehungskonstrukt der Charaktere, das über die ersten beiden Folgen (und Staffeln) aufgebaut wurde. Magnussen sitzt nur deswegen am längeren Hebel, weil er durchschaut hat, an welchem Ende der Beziehungskette er Druck aufbauen muss, um am anderen Ende zu bekommen, was er will. Das ist erfrischend logisch und bedarf an dieser Stelle keiner Aussetzung meiner Ungläubigkeit. Anders als bisher in der dritten Staffel kommt der Plot so ziemlich schnell in Fahrt und bildet mit Marys gezieltem Schuss auf Sherlock seinen vorzeitigen Höhepunkt. Und diesmal bekommen wir sogar die Erklärung wie Sherlock überlebt (Ist das was?). Das Erzähltempo und der Spannungsbogen bleiben konstant hoch und so offenbart HLV in seiner Kurzweiligkeit, woran es TEH und TSoT etwas mangelte: Spannung.

Der Humor ist diesmal deutlich spärlicher gesät (aber treffsicher), was der Folge außerordentlich gut tut. Dafür sorgt auch Lars Mikkelsen als lebendes Google unter den Bösewichten. Er ist, anders Moriarty, tatsächlich jemand, der nicht nur Sherlock, sondern auch mir den Magen umzudrehen vermag (Gesichtsschnipsen, Gesichtslecken, Kaminpissen). Sein Tod (der erste in dieser Staffel, wohl gemerkt!) ist daher ein willkommenes retardierendes Moment, wenn man so will. Obwohl die Rolle eigentlich mehr Potenzial gehabt hätte. Allein die Lösung des Rätsels um den Appledore Tresorraum fällt im Vergleich zum Rest der Folge qualitativ etwas ab. „It’s not real“ ist nicht mehr die überraschendste Erklärung für etwas.

Das bringt mich zu den letzten Sekunden in His Last Vow, die schon fast als Running Gag bezeichnet werden können. Denn nicht nur Sherlock hat auf dem St. Barts Krankenhaus seinen Tod vorgetäuscht. Auch – so scheint es zumindest – Jim Moriarty hat es irgendwie geschafft, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen ohne dabei zu sterben. Ich habe an dieser Stelle zwei Möglichkeiten diesen Umstand zu bewerten. Ich kann mich darüber freuen, dass die Ereignisse in The Reichenbach Fall zum Glück doch nicht bedeutungslos sind und mit Moriarty wieder ein starker und unterhaltsamer Bösewicht zurück ist. Oder ich ärgere mich über diesen forcierten Cliffhanger, der das Ende der zweiten Staffel mit einem erneuten „Wie hat er bloß überlebt?“ spiegelt. Wenn ihr die Antwort wissen wollt, ihr findet mich drüben bei tumblr, reddit und imdb und freue mich auf Staffel 4.

Nachträgliche Gedanken:

  • Mehr Wutausbrüche von Martin Freeman, bitte. John Watson scheint sowieso ständig kurz vorm Explodieren zu sein. Ich frag mich ob das gewollt ist.
  • „It’s raining, it’s pouring, Sherlock is boring. I’m laughing, I’m crying, Sherlock is dying.” – Jim Moriarty.
  • Was passierte mit dem dritten Holmes Bruder? Außerdem: Alle Szenen zwischen Sherlock und Mycroft sind gold
  • Awww-Moment der Woche: „The problems of your past are your business. The problems of your future are my privilege“ – John Watson zu Mary
  • Was zur Hölle war die Funktion von Billy?
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7 responses to “Sherlock – His Last Vow – Kritik”

  1. Miss Booleana says :

    „Ich bin sehr leicht zu begeistern. Nein, das ist nicht ganz korrekt. Ich neige dazu, Serien und Filme, die ich liebe, auf einen unnatürlich hohen Thron zu heben“ – mmmh, kommt mir bekannt vor. 🙂
    Ich hatte so meine Probleme mit der Richtung die Staffel 3 eingeschlagen hat – Sherlocks Konfrontation mit ach so „gewöhnlichen“ Themen wie Beziehung, Hochzeit etc und auch der ganze Mary-Fall. Ich war davon ein wenig genervt. Das war das erste Mal das ich überhaupt genervt war, wenn es um diese geniale Serie geht.
    Andere Sachen die von vielen kritisiert wurden, mochte ich wiederum sehr gern. Sherlocks Entscheidung wie man Lars Mikkelsen los wird beispielsweise – war ja die einzig logische Schlussfolgerung. Darauf dass Moriarty nochmal eine Rolle spielt, hätte ich wetten abgeschlossen 😉

  2. Stephan says :

    Ja, aber warum sollen wir Sherlock noch folgen. Geht es nicht darum, dass der Gute den Bösen fängt? Wenn Sherlock ein Psychopath und Mörder ist, warum folgen wir dann nicht einfach Moriarty? Der ist auch sehr schlau und charismatisch. Wenn demnächst jemand Watson bedroht, schlägt Sherlock ihm dann den Schädel ein? Er sollte die Fälle durch Intelligenz lösen, nicht durch Gewalt. Er kommt mir immer mehr vor wie James Bond. Eine Annäherung, die ich gefährlich finde. Das macht die Figur Sherlock kaputt. Ich fande die dritte Folge echt gut, bis zu diesem Punkt. Ich hoffe jetzt, Moriarty bringt Sherlock um, denn wenn schon Psycho-Mörder, dann wenigstens den, der richtig geil Psycho ist. Und nicht so ein „Wir brauchen ihn, weil er so schlau ist“-Held, der eigentlich ein Mörder und Psychopath ist. Wie wäre es also mit einem anderen Titel für die vierte Staffel: Moriarty!

    • maximahls says :

      Haha, ich wäre sofort dabei bei einer Staffel 4: Moriarty 😀 Aber gutes Argument eigentlich. Ein klassischer Fall war das wirklich nicht, allerdings passt das zu dieser sehr charakterlastigen Staffel. Du hast aber recht, dass es komisch wäre wenn der Mord nie wieder zur Sprache gebracht wird. Dafür war er zu ungewöhnlich für Sherlock. Ich finde es eine aber interessante Charakterentwicklung, weil Sherlock jetzt nicht mehr „auf der Seite der Engel“ ist. Nur weil was anders ist, heißt nicht, dass es schlecht ist.

  3. schauwerte says :

    Und warum war der Abschied zwischen John und Sherlock so kühl? Sherlock hat sich verdammtnochmal geopfert für ihn.
    Lars Mikkelsen war super (die face flicking szene – so gruselig), aber an Moriartys Wahnsinn kommt er nicht heran. Ich fand die „humanisierung“ Sherlocks mitunter schwierig zu verdauen. Das hat ihn so „ordinär“ gemacht. Ich will einen Sherlock, der über den Dingen steht, weil er alles so messerscharf und pfeilschnell durchschaut.

    • Stephan says :

      Ich frage mich, warum in dieser Kritik mit keinem Wort erwähnt wird, dass Sherlock einen Mord begangen hat. Steht er so über den Dingen, dass er einfach jemanden in den Kopf schießen kann und alle nehmen es hin. Gut, Magnussen (Lars Mikkelsen) ist sehr unsympathisch. Er ist aber – so sagt er selbst – kein Mörder. Warum hat es ein Erpresser verdient hingerichtet zu werden. Es war keine Notwehr. Reicht es, das simple filmische Mittel, ich mache den Bösewicht nur so unsympathisch wie möglich, das rechtfertigt dann alles, was der Protagonist mit ihm macht? I dont get it?

      • maximahls says :

        Es geht meiner Meinung nicht darum, was CAM verdient hat und was nicht. Auch nicht darum, irgendetwas zu rechtfertigen. Sondern zu zeigen wo Sherlocks pressure point (John) ist und was passiert, wenn man zu lange Druck ausübt. Da hats eben bei ihm ausgesetzt. Wir wissen ja wie wenig Empathie er hat. Aus Charaktersicht macht der Mord also Sinn. Die Konsequenzen hätte er auch tragen müssen, wenn Moriarty nicht zurückgekehrt wäre. Und um letzteren zu zitieren:
        – „people have died!“
        – „THAT’S WHAT PEOPLE DO!“

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  1. Sherlock - Season 3, Episode 3 (His Last Vow) - Recap - Januar 15, 2014

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