Sherlock – The Sign of Three – Kritik

Der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier. Serien funktionieren nicht zuletzt deswegen so gut, weil wir wissen was wir bekommen. Dr. House ist ein zynisches Arschloch mit einem Herz aus Gold, der am Ende des Tages immer den Grund für die mysteriöse Krankheit des Patienten herausfindet. How I Met Your Mother ist eine klassische Sitcom, in der Ted und seine Freunde jede Woche turbulente Beziehungsprobleme lösen. Und Sherlock ist die moderne Version von Sir Arthur Conan Doyles weltberühmten Detektivgeschichten mit einer guten Portion Humor. Wenn die ersten beiden Staffeln genau diese Erwartungen erfüllten, konfrontiert uns die aktuelle dritte Staffel mit einem Umbruch in Erzählweise und -ton. Sie zwingt uns dazu, unsere Erwartungen entweder anzupassen oder fluchend unsere nicht vorhandene Geld-zurück-Garantie einzufordern.

Mit einem Abstand von einer halben Woche ist meine Begeisterung für The Empty Hearse einem leicht klebrig, süßlichen Nachgeschmack gewichen. Nicht nur, dass die halb-offizielle Erklärung alles, was in The Reichenbach Fall passierte, bedeutungslos werden ließe; die Folge war offenbar auch der Beginn einer Checkliste, die leicht mit „Fandom-Wunschliste“ übertitelt werden kann. The Sign Of Three geht diesen Weg weiter, jedoch glücklicherweise ohne so offensichtlich den Zuschauern zuzuzwinkern. Das neue Sherlock legt den Fokus weniger auf die Kriminalfälle und mehr denn je auf die zwischenmenschliche Beziehung zwischen seinen Protagonisten. Die erste Hälfte kommt komplett ohne ein Verbrechen oder ein Rätsel aus. Die Hochzeitsvorbereitungen von John und Mary lassen dafür keinen Platz. Und so dürfen wir Sherlock, wie ein Fisch auf dem Trockenen, dabei beobachten wie er die Rede als Trauzeuge hält, sich mit John betrinkt, auf einen Teppich kotzt und als Höhepunkt der schamlos angedeuteten will-they-won’t-they-Bromance-Beziehung Wer bin ich? mit ihm spielt.  Das alles ist  zwar recht irritierend, aber leider wieder unglaublich unterhaltsam und liebenswert. Aus Gründen das alles nicht zynisch als Fanservice (eure Zielgruppe ist nicht Tumblr!) zu bezeichnen, nenne ich es Charakterentwicklung. Es ist vor alles Freeman und Cumberbatch zu verdanken, dass es eine Freude ist, dabei zuzgucken.

So beiläufig der Fall der Woche auch ist, es bildet doch ganz gut den Rahmen für diese, ich kann es nicht anders sagen, niedlich kitschige Episode. Es müssen nicht immer weltverschwöhrerische Terroristen am Werk sein. Ein kleines Murder Mystery tut es auch. Ärgerlich nur, dass der Fall diesmal wirkt wie die lästige Verpflichtung, den unliebsamen Cousin dritten Grades zur Hochzeit zu schleppen. Dabei muss sich Der Mayfly Man eigentlich nicht hinter Fällen aus Staffel eins und zwei verstecken. Zumindest ich steh auf zufällig und zusammenhanglos erscheinende Ereignisse, die am Ende doch zusamenhängen.

Aber nicht alles ist Sunshine und Lollipops in der Baker Street 221  B. Dunkle Vorausdeutungen von Mrs. Hudson und Mycroft künden von dem baldigen Ende der Ära John und Sherlock, nun da John im sicheren Hafen der Ehe ist. Dieses Thema zieht sich als sprichwörtlicher „elephant in the room“ durch die gesamte Folge. So ist es nur passend, dass Sherlocks letztes Gelöbnis in der dritten Folge, His Last Vow, sicherlich auf eine harte Probe gestellt wird.

Es liegt also nun an uns, ob wir uns auf mehr Komödie, weniger Krimi einlassen oder Sherlock als lächerlichen Abklatsch selbstverliebter Autoren ablehnen. Ich für meinen Teil entscheide mich für die erste Variante.

Nachträgliche Gedanken

  •  Auch in Sherlocks mind palace, was offenbar tatsächlich Buckingham Palace ist, spielt er gerne die lebensechte Variante vom Brettspiel Wer bin ich?
  • Betrunkene Einschätzung des Mobiliars: „Egg Chair? Sitty Thing?“
  • Und John: „He’s clueing for looks.“ Und „Am I a pretty lady?
  • Merke: Wenn du eine SMS von Sherlock bekommst, schicke nicht sofort Helikopter und das ganze verdammte Scotland Yard in die Baker Street. Sowiel hätte Lestrade nach jahrelanger zusammenarbeit klar kein müssen.
  • Jemand Lust ein Fandom-Wunschliste Bingo für The Last Vow zu basteln?
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2 responses to “Sherlock – The Sign of Three – Kritik”

  1. eddialive says :

    Ich gehe ebenfalls mit stark gemischten Gefühlen aus dieser Episode.
    Zwar war es absolut nicht was ich erwartet habe, jeddoch finde ich bei einigen Punkten eben auch die Characterentwicklung sehr interessant.
    Wenn man allerdings hinter die Kulissen schaut und sieht dass gleich drei Autoren mit jeweils einer Geschichte zu dieser Folge beitrugen fühlt man sich leicht ver…schaukelt.
    Zumal der Autor der -Junggesellen-Abschieds-Story- der selbige ist der auch „Coupling – Wer mit wem?“ geschrieben hat. Parallelen sind mehr als deutlich und das die Figur sich nicht wirklich organisch entwickeln kann ist bei drei so verschiedenen Autoren abzusehen.
    Die dritte Folge hat einiges in richtige Bahnen zu lenken.

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  1. Sherlock – His Last Vow – Kritik | The Televisioner - Januar 15, 2014

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