Fünf unterschätzte Serien für Menschen mit wenig Zeit

Das Quotensystem als aschenputtel’esque Sortierung der guten und schlechten Linsen unter den Serien ist auf dem Papier eine ganz gute Sache. So sortiert der Massengeschmack Serien wie Whitney oder Are you there, Chelsea? zuverlässig aus. An anderer Stelle wird Qualität mit hohen Quoten gewürdigt und beschert Breaking Bad und Game of Thrones Rekordergebnisse. Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.

Für Nische wäre bei einem System, welches nur den Massengeschmack als Qualitätsmaßstab nutzt, kaum Platz. Einflussfaktoren wie Sendeplatz, Marketing, Senderschnitt, Quotenerwartung, Zeitgeist und sogar Wetter beeinflussen die Serienlandschaft zusätzlich – zu Gunster und zu Schaden der Qualität. So geschieht es, dass viele gute Serien, wie Bryan Fullers Wonderfalls, Dead Like Me und Pushing Daisies durch die Maschen des Systems schlüpfen und vor ihrer Zeit abgesetzt werden. Oder sie leben wie Community durch glückliche Umstände lange, werden aber nicht von vielen gesehen. Einerseits ist das Schade, da uns so viele gute Programme entgehen und wir stattdessen irgendwann die 20. Staffel Two and a Half Men bekommen (wobei Jon Cryer dann wohl der einzige ist, der vom Originalcast noch übrig ist). Andererseits haben diese Underdogs auch den gewissen Hipstercharme, sind Insider-Kult und jeder, der sie kennt, kann sich jetzt cool fühlen. Hier sind also meine Top 5, der unterschätzten, unterbewerteten Serien für Leute mit wenig Zeit, da es einfach nicht viele Staffeln und Folgen gibt.

Episodes – Matt LeBlanc spielt Matt LeBlanc in einer Serie über eine Serie mit Matt LeBlanc


Episodes ist als einzige Serie in dieser Liste nicht abgesetzt und wird überraschenderweise hartnäckig bei den Emmys nominiert. Von Unterschätzung kann hier also eigentlich keine Rede sein. Allerdings sagt mir mein subjektiven Gefühl, dass kaum jemand die Koproduktion zwischen BBC und dem amerikanischen Sender Showtime kennt.

Die erfolgreichen Britischen Drehbuchautoren Sean und Beverly Lincoln werden von Hollywood abgeworben um eine amerikanische Version ihrer Erfolgsserie Lyman’s Boys zu schreiben. Als der kapitalistische Senderchef Merc Lapidus Matt LeBlanc für die Hauptrolle besetzt, beginnt das Chaos.

Episodes funktioniert als selbstironisches Seriencomeback von Matt LeBlance aka Joey aus Friends und Showbiz-Satire wunderbar. Durch die Augen des Londoner Ehepaars erleben wir den alltäglichen Hollywood-Wahnsinn zwischen Table Reads, Quotendruck und Preisverleihungen. Tamsin Greig (Black Books) und Stephan Mangan (Rush) retten durch ihr erfrischendes Schauspiel noch den einen oder anderen flachen Witz und machen Episodes zu einer witzigen und sehenswerten Serie.

Originalausstrahlung: BBC 2, Showtime
deutsche Ausstrahlung: Prosieben Maxx (auch Originalton)
Produktionsjahr: 2011 – ?
Staffeln: 2
Folgen: 16
Status: Verlängert

Bored To Death – Mit Weed und Weißwein auf Verbrecherjagd


Jason Schwartzman, Zach Galifianakis und Ted Danson jagen bekifft und Weißwein schlürfen Verbrecher. Was gibt es daran nicht zu mögen? Bored To Death lief drei Staffeln lang auf HBO und stand anderen HBO Comedies in nichts nach. ein geplanter Bored To death Film, der die losen Enden zusammenflicken soll, ist angekündigt. Allerdings ist es in letzter Zeit recht ruhig um das Projekt geworden.

Jonathan Ames ist ein erfolgloser Schriftsteller, der zu Beginn der Serie von seiner Freundin verlassen wird. Um Inspiration für sein zweites Buch zu finden (und aus Langeweile) schaltet er eine Anzeige auf Craigslist und stellt seine Dienste als Privatdetektiv zur Verfügung. Sein Verleger George Christopher und sein bester Freund Ray helfen ihm bei seiner improvisierten Detektivarbeit.

Abgedreht, witzig, unkonventionell und herrlich schräg kommt Bored To Death daher. Neben den Fällen (Kind vermisst Skateboard, Frau beschuldigt Mann der Untreue) liegt auch eingroßer Fokus auf dem turbulenten Privatleben der Protagonisten. Den Vorwurf einiger Kritiker Bored To Death wäre zu schrullig, kann ich nicht teilen.

Originalausstrahlung: HBO
deutsche Ausstrahlung:
Produktionsjahr: 2009 – 2011
Staffeln: 3
Folgen: 24
Status: Film angekündigt

My Life in Film – Eine WG gefangen in The Shining, Das Fenster zum Hof und 8 1/2


My Life in Film ist wahrscheinlich die vergessenste und stiefmütterlichst behandelte Serie auf dieser Liste. Sie ist so unterschätzt, dass sogar der eigene Sender BBC auf seiner Website schreibt. „My Life in Film was certainly imaginative, but crucially, not quite funny enough“. Den „Nicht lustig genug“-Teil kann ich allerdings nicht nachvollziehen.

Art hält sich für einen“independent low-budget filmmaker“, dessen großer Durchbruch kurz bevor steht. Tatsächlich hat er noch keinen einzigen Film gedreht und leidet an chronischer Geldknappheit. Sein Privatleben ähnelt dafür auf mysteriöse Weise Filmklassikern wie The Shining, Top Gun und Das Fenster zum Hof.  Zusammen mit seinem Mitbewohner und besten Freund Jones und dessen Freundin Beth erlebt er ein Film Déja-vu nach dem anderen.

Nach nur sechs Folgen war zwar schon Schluss aber diese lohnen sich dafür umso mehr. Das Gespann aus Kris Marshalls realitätsfernen Art und Andrew Scotts liebenswürdigem Jones ist unschlagbar. Definitiv ein Geheimtipp für alle Filmfans, Freunde albernen Humors und alle Leute, die Sherlocks Moriarty mal in einer komplett anderen Rolle sehen wollen. Alle Folgen gibts’s übrigens auf YouTube.

Originalausstrahlung: BBC
deutsche Ausstrahlung:
Produktionsjahr: 2004
Staffeln: 1
Folgen: 6
Status: Abgesetzt

Breakout Kings – Prison Break Spross mit verschenktem Potenzial


Für Freunde des episodischen Crime-Genres gibt es Breakout Kings. Kreiert wurde die Serie von Nick Santora und Matt Olmstead, die auch für die überaus erfolgreiche Serie Prison Break schrieben. Und in eine ähnliche Kerbe schlägt auch Breakout Kings (der alberne Name wird in der Serie angesprochen).

Vier ehemalige Gefängnis-Flüchtlinge werden von den Deputies Charlie Duchamp und Ray Zancanelli angeheuert, ihnen bei der Jagd auf andere Ausbrecher zu helfen. Als Gegeneistung gibt es für jeden eingefangenen Verbrecher einen Monat von ihrer Haftstrafe erlassen. Die vier Hilfspolizisten haben genau das Spezialwissen, was dabei hilft die Verbrecher wieder einzufangen.

Breakout Kings folgt einer strengen Struktur. Zu Beginn jeder Folge sehen wir den durchaus kreativen Ausbruch des Straftäters, den es in der jeweiligen Folge einzufangen gilt. Trotzdem schafft es der diverse und gute Cast schnell Abwechslung in das feste Korsett zu bringen. Mit mehr Zeit hätte es Breakout Kings sicherlich auch geschafft den Charakteren noch mehr Dreidimensionalität zu verleihen. Die Saat für eine interessante Gruppendynamik war da.

Originalausstrahlung: A&E
deutsche Ausstrahlung: RTL Nitro
Produktionsjahr: 2011 – 2012
Staffeln: 2
Folgen: 23
Status: Abgesetzt

Bunheads – Ballet in einem Künstenstädtchen nach dem Gilmore Girls Rezept


Dass Bunheads Gilmore Girls unglaublich ähnelt ist kein Zufall. Amy Sherman-Palladino, die Erfinderin von Gilmore Girls, ist auch für Bunheads verantwortlich. Und so besitzt die Serie auch ähnliche Erfolgszutaten: Schrullige Bewohner einer Kleinstadt, Maschinengeweht schnelle pointierte Dialoge, alte Bekannte Schauspieler.

Das Las Vegas Showgirl Michelle Simms verschlägt es ins beschauliche Künstenstädtchen Paradise, als sie den überraschenden Heiratsantrag von Hubble annimmt, der sie schon lange versucht kennenzulernen. Doch kaum angekommen stirbt Michelles frisch Angetrauter bei einem Autounfall und hinterlässt ihr das Haus, in dem seine Mutter wohnt und eine Ballettschule.

Michelle Simms hat schon sehr viel von Lorelai Gilmore. Und Kelly Bishop gibt als Schwiegermutter Fanny eine weniger versnobte Version von Emily Gilmore. Neben Michelle stehen die jugendlichen Ballettschülerinnen im Mittelpunkt. Damit ist Bunheads klar auf eine jüngere Zielgruppe ausgerichtet. Spaß machte die Serie aber trotzdem sehr.

Originalausstrahlung: abc family
deutsche Ausstrahlung:
Produktionsjahr: 2012 – 2013
Staffeln: 1
Folgen: 18
Status: Abgesetzt

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4 responses to “Fünf unterschätzte Serien für Menschen mit wenig Zeit”

  1. happiestnerdintown says :

    Bored To Death klingt sehr gut, werde ich definitiv mal gucken.

    Und danke, dass du erwähnt hast, dass Bunheads Gilmore Girls ähnelt. Ich hab bisher nur ein Promofoto von Bunheads gesehen und hatte keine Ahnung! Da ich Gilmore Girls liebe, freue ich mich sehr auf die Serie, auch wenn sie leider schon abgesetzt wurde.

  2. Micha says :

    Und nochmal Danke 😀

  3. Micha says :

    My Life in Film klingt ja mal richtig gut. Danke für den Tipp! Du magst anscheinend solche Referenzserien oder? Danke für den Tipp!

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