Archive | November 2013

Bully macht (einen Haufen Kohle mit) Buddy

Heute Abend startet auf ProSieben die neue Serie von Bully, Bully macht Buddy. Das Besondere: Es handelt sich um eine klassische Sitcom nach bewehrter Formel: Multi-Camera und ein begeistertes Publikum, das lacht, wenn etwas lustig gemeint ist. Ich entscheide bei Bully normalerweise zu Gusten des Angeklagten…also für Bully. Ich habe da eine nostalgische Schwäche für Der Schuh des Manitu, lache noch heute über manche Sketche aus der Bullyparade („Gustav, Gus Gustav“) und habe Bully insgeheim immer für den deutschen Mike Myers gehalten (hauptsächlich aus optischen Gründen). Im Kino war für mich allerdings mit Traumschiff Surprise Schluss mit lustig und der eingangs erwähnte Zweifel wurde zunehmend mit Beweisen verfestigt.

Trotzdem möchte ich immernoch glauben, dass er es drauf hat, doch noch die deutsche Mainstream-Comedy zu retten. Vorneweg, ich glaube nicht, dass man eingespielte Lacher braucht, um zu markieren, dass etwas lustig ist. Das Drehbuch sollte das auch ohne diese Stützräder schaffen. Wenn überhaupt, lenkt mich das gröhlende Publikum eher ab. (Tipp: Guckt euch eine Folge Two and a half men an und achtet mal nur darauf, wann das Publikum lacht. Das offenbart ganz gut den tatsächlichen Witzgehalt). Ich war aus diesem Grund über den ersten Teaser-Trailer recht erschrocken. Als Parodie der Sitcomformel inklusive ihrer grellen Ausleuchtung, flachen Witze und ihres hysterischen Publikums, würde es sogar funktionieren. Nur leider versucht hier niemand die Sitcom zu parodieren. Ich fürchte Bully nimmt das Format ziemlich ernst (so ernst wie man ein Comedyprogramm eben nehmen kann).

Scrubs illustierte das auch ganz gut:

Ein weiterer Fakt, der mir sauer aufstößt ist die Prämisse. Bully erlebt das alltäglich Chaos während der Produktion seines Films Buddy. Und wie es der Zufall will, startet nach der ersten Staffel direkt der thematisierte Film in den Kinos. Besseres Marketing für a) ProSieben und b) Bully kann es kaum geben. Eine symbiotische Beziehung, bei der ich mich als Zuschauer latent veralbert fühle. So bin ich mir sicher, dass nie geplant war, aus der Bully-Sitcom etwas zu machen, was über die ersten 6 Folgen hinaus existieren kann. Aus der Chance das schlecht aufgestellte Sitcom-Genre in Deutschland zu beleben, wurde eine kalkulierte Marketingkampagne. Natürlich kann das ganze auch nach hinten losgehen. Wer hat schon lust Geld für einen Film auszugeben, dessen einleitende Sitcom schon kaum die Speicherkarten wert ist, auf der sie gedreht wurde?

Da ich aber lernfähig bin, nutze ich die Taktik gleich für meinen eigenen Twitteraccount. Seht diesen Blogeintrag also als hinführendes Vehikel um meine Tirade an Livetweets zur ersten Folge zu promoten. #bullymachtbuddy. Wenn Bully macht Buddy dann wider erwarten doch lustig sein sollte, will ich nichts gesagt haben. Obwohl ich recht skeptisch bin, wenn es mich allein schon beim Schreiben des dummen Titels innerlich schüttelt. Bully macht Buddy…wuahhh…Bully macht Buddy….iehhhh…

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Fünf unterschätzte Serien für Menschen mit wenig Zeit

Das Quotensystem als aschenputtel’esque Sortierung der guten und schlechten Linsen unter den Serien ist auf dem Papier eine ganz gute Sache. So sortiert der Massengeschmack Serien wie Whitney oder Are you there, Chelsea? zuverlässig aus. An anderer Stelle wird Qualität mit hohen Quoten gewürdigt und beschert Breaking Bad und Game of Thrones Rekordergebnisse. Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.

Für Nische wäre bei einem System, welches nur den Massengeschmack als Qualitätsmaßstab nutzt, kaum Platz. Einflussfaktoren wie Sendeplatz, Marketing, Senderschnitt, Quotenerwartung, Zeitgeist und sogar Wetter beeinflussen die Serienlandschaft zusätzlich – zu Gunster und zu Schaden der Qualität. So geschieht es, dass viele gute Serien, wie Bryan Fullers Wonderfalls, Dead Like Me und Pushing Daisies durch die Maschen des Systems schlüpfen und vor ihrer Zeit abgesetzt werden. Oder sie leben wie Community durch glückliche Umstände lange, werden aber nicht von vielen gesehen. Einerseits ist das Schade, da uns so viele gute Programme entgehen und wir stattdessen irgendwann die 20. Staffel Two and a Half Men bekommen (wobei Jon Cryer dann wohl der einzige ist, der vom Originalcast noch übrig ist). Andererseits haben diese Underdogs auch den gewissen Hipstercharme, sind Insider-Kult und jeder, der sie kennt, kann sich jetzt cool fühlen. Hier sind also meine Top 5, der unterschätzten, unterbewerteten Serien für Leute mit wenig Zeit, da es einfach nicht viele Staffeln und Folgen gibt.

Episodes – Matt LeBlanc spielt Matt LeBlanc in einer Serie über eine Serie mit Matt LeBlanc


Episodes ist als einzige Serie in dieser Liste nicht abgesetzt und wird überraschenderweise hartnäckig bei den Emmys nominiert. Von Unterschätzung kann hier also eigentlich keine Rede sein. Allerdings sagt mir mein subjektiven Gefühl, dass kaum jemand die Koproduktion zwischen BBC und dem amerikanischen Sender Showtime kennt.

Die erfolgreichen Britischen Drehbuchautoren Sean und Beverly Lincoln werden von Hollywood abgeworben um eine amerikanische Version ihrer Erfolgsserie Lyman’s Boys zu schreiben. Als der kapitalistische Senderchef Merc Lapidus Matt LeBlanc für die Hauptrolle besetzt, beginnt das Chaos.

Episodes funktioniert als selbstironisches Seriencomeback von Matt LeBlance aka Joey aus Friends und Showbiz-Satire wunderbar. Durch die Augen des Londoner Ehepaars erleben wir den alltäglichen Hollywood-Wahnsinn zwischen Table Reads, Quotendruck und Preisverleihungen. Tamsin Greig (Black Books) und Stephan Mangan (Rush) retten durch ihr erfrischendes Schauspiel noch den einen oder anderen flachen Witz und machen Episodes zu einer witzigen und sehenswerten Serie.

Originalausstrahlung: BBC 2, Showtime
deutsche Ausstrahlung: Prosieben Maxx (auch Originalton)
Produktionsjahr: 2011 – ?
Staffeln: 2
Folgen: 16
Status: Verlängert

Bored To Death – Mit Weed und Weißwein auf Verbrecherjagd


Jason Schwartzman, Zach Galifianakis und Ted Danson jagen bekifft und Weißwein schlürfen Verbrecher. Was gibt es daran nicht zu mögen? Bored To Death lief drei Staffeln lang auf HBO und stand anderen HBO Comedies in nichts nach. ein geplanter Bored To death Film, der die losen Enden zusammenflicken soll, ist angekündigt. Allerdings ist es in letzter Zeit recht ruhig um das Projekt geworden.

Jonathan Ames ist ein erfolgloser Schriftsteller, der zu Beginn der Serie von seiner Freundin verlassen wird. Um Inspiration für sein zweites Buch zu finden (und aus Langeweile) schaltet er eine Anzeige auf Craigslist und stellt seine Dienste als Privatdetektiv zur Verfügung. Sein Verleger George Christopher und sein bester Freund Ray helfen ihm bei seiner improvisierten Detektivarbeit.

Abgedreht, witzig, unkonventionell und herrlich schräg kommt Bored To Death daher. Neben den Fällen (Kind vermisst Skateboard, Frau beschuldigt Mann der Untreue) liegt auch eingroßer Fokus auf dem turbulenten Privatleben der Protagonisten. Den Vorwurf einiger Kritiker Bored To Death wäre zu schrullig, kann ich nicht teilen.

Originalausstrahlung: HBO
deutsche Ausstrahlung:
Produktionsjahr: 2009 – 2011
Staffeln: 3
Folgen: 24
Status: Film angekündigt

My Life in Film – Eine WG gefangen in The Shining, Das Fenster zum Hof und 8 1/2


My Life in Film ist wahrscheinlich die vergessenste und stiefmütterlichst behandelte Serie auf dieser Liste. Sie ist so unterschätzt, dass sogar der eigene Sender BBC auf seiner Website schreibt. „My Life in Film was certainly imaginative, but crucially, not quite funny enough“. Den „Nicht lustig genug“-Teil kann ich allerdings nicht nachvollziehen.

Art hält sich für einen“independent low-budget filmmaker“, dessen großer Durchbruch kurz bevor steht. Tatsächlich hat er noch keinen einzigen Film gedreht und leidet an chronischer Geldknappheit. Sein Privatleben ähnelt dafür auf mysteriöse Weise Filmklassikern wie The Shining, Top Gun und Das Fenster zum Hof.  Zusammen mit seinem Mitbewohner und besten Freund Jones und dessen Freundin Beth erlebt er ein Film Déja-vu nach dem anderen.

Nach nur sechs Folgen war zwar schon Schluss aber diese lohnen sich dafür umso mehr. Das Gespann aus Kris Marshalls realitätsfernen Art und Andrew Scotts liebenswürdigem Jones ist unschlagbar. Definitiv ein Geheimtipp für alle Filmfans, Freunde albernen Humors und alle Leute, die Sherlocks Moriarty mal in einer komplett anderen Rolle sehen wollen. Alle Folgen gibts’s übrigens auf YouTube.

Originalausstrahlung: BBC
deutsche Ausstrahlung:
Produktionsjahr: 2004
Staffeln: 1
Folgen: 6
Status: Abgesetzt

Breakout Kings – Prison Break Spross mit verschenktem Potenzial


Für Freunde des episodischen Crime-Genres gibt es Breakout Kings. Kreiert wurde die Serie von Nick Santora und Matt Olmstead, die auch für die überaus erfolgreiche Serie Prison Break schrieben. Und in eine ähnliche Kerbe schlägt auch Breakout Kings (der alberne Name wird in der Serie angesprochen).

Vier ehemalige Gefängnis-Flüchtlinge werden von den Deputies Charlie Duchamp und Ray Zancanelli angeheuert, ihnen bei der Jagd auf andere Ausbrecher zu helfen. Als Gegeneistung gibt es für jeden eingefangenen Verbrecher einen Monat von ihrer Haftstrafe erlassen. Die vier Hilfspolizisten haben genau das Spezialwissen, was dabei hilft die Verbrecher wieder einzufangen.

Breakout Kings folgt einer strengen Struktur. Zu Beginn jeder Folge sehen wir den durchaus kreativen Ausbruch des Straftäters, den es in der jeweiligen Folge einzufangen gilt. Trotzdem schafft es der diverse und gute Cast schnell Abwechslung in das feste Korsett zu bringen. Mit mehr Zeit hätte es Breakout Kings sicherlich auch geschafft den Charakteren noch mehr Dreidimensionalität zu verleihen. Die Saat für eine interessante Gruppendynamik war da.

Originalausstrahlung: A&E
deutsche Ausstrahlung: RTL Nitro
Produktionsjahr: 2011 – 2012
Staffeln: 2
Folgen: 23
Status: Abgesetzt

Bunheads – Ballet in einem Künstenstädtchen nach dem Gilmore Girls Rezept


Dass Bunheads Gilmore Girls unglaublich ähnelt ist kein Zufall. Amy Sherman-Palladino, die Erfinderin von Gilmore Girls, ist auch für Bunheads verantwortlich. Und so besitzt die Serie auch ähnliche Erfolgszutaten: Schrullige Bewohner einer Kleinstadt, Maschinengeweht schnelle pointierte Dialoge, alte Bekannte Schauspieler.

Das Las Vegas Showgirl Michelle Simms verschlägt es ins beschauliche Künstenstädtchen Paradise, als sie den überraschenden Heiratsantrag von Hubble annimmt, der sie schon lange versucht kennenzulernen. Doch kaum angekommen stirbt Michelles frisch Angetrauter bei einem Autounfall und hinterlässt ihr das Haus, in dem seine Mutter wohnt und eine Ballettschule.

Michelle Simms hat schon sehr viel von Lorelai Gilmore. Und Kelly Bishop gibt als Schwiegermutter Fanny eine weniger versnobte Version von Emily Gilmore. Neben Michelle stehen die jugendlichen Ballettschülerinnen im Mittelpunkt. Damit ist Bunheads klar auf eine jüngere Zielgruppe ausgerichtet. Spaß machte die Serie aber trotzdem sehr.

Originalausstrahlung: abc family
deutsche Ausstrahlung:
Produktionsjahr: 2012 – 2013
Staffeln: 1
Folgen: 18
Status: Abgesetzt

Carrie – Kritik

Bevor ich hineintauche in die Welt von Satans jüngster Tochter Carrie muss ich gestehen, dass ich weder Stephen Kings Roman noch die Verfilmung von 1976 mit Sissy Spacek gesehen habe. Umso unvoreingenommener konnte ich die Neuverfilmung von Kimberly Peirce (Boys don’t cry) auf mich wirken lassen. Alles, was ich vorher wusste, beschränkte sich auf das Wissen um die zerstörerischen Kräfte von Carrie und ihr letztendlicher Rachefeldzug gegen ihre jungendlichen Peiniger. Stellt sich heraus: Mehr gibt es auch nicht zu wissen.

Carrie White ist auf den ersten Blick ein ganz normaler Teenager. Vielleicht etwas schüchtern und nicht die Beliebteste in ihrer Klasse von potenziellen Next-Topmodel-Kandidaten. Doch als sie am Tag des Schwimmunterrichts ihre Periode bekommt, wissen wir, dass mit ihr irgendetwas nicht stimmt. Volkommen ahnungslos, was mit ihrem Körper passiert, wird sie von ihren Klassenkameradinnen mit Tampons und Binden beworfen. Beschämung, Demütigung und Angst kumulieren in einem ersten Ausbruch ihrer Wut in Form einer platzenden Glühbirne. Carries streng gläubige, fanatische Mutter tut ihr übriges, dass Carrie zur Außenseiterin wird und Grund genug bekommt, ihre Kräfte anzuwenden.

Ein bisschen wirkt Carrie wie der feuchte Traum eines waschechten High School Musical-Hassers. Ausnahmslos jedes späte Opfer im Film ist die Karikatur eines klischeehaften High School Schülers. Wir haben die blonde Bitch mit Gewissen, die brünette Bitch ohne Gewissen, den liebenswerten Footballspieler, die verständnisvolle Lehrerin und eine Reihe Kanonenfutter für Carries Racheaktion. Und alle sehen aus wie aus der Model-Retorte. Carrie sieht dazwischen wie die Hauptfigur in einem Anime aus.

9gag

9gag

Aber nicht nur das Äußere der Charaktere wirkt wie der verzweifelte Versuch Carries Außenseiterstatus auf plumpe Art zu manifestieren. Chloë Grace Moretz‘ Schauspiel wirkt wie aus einem Buch mit dem Namen Acting scary for Dummies. Chloe hat die Kapitel über subtile Zwischentöne übersprungen und sich auf den Schnellkurs Mannerisms 101 beschränkt. Hier einmal den Kopf zur Seite neigen, wilde Gestiken mit den Händen (wir müssen ja schließlich sehen warum die Möbel plötzlich fliegen), bedrohlich von unten in die Kamera gucken, sich selbst beim Weinen umarmen (das wirkt verzweifelter!).  Und so stellt sich nach und nach ein Déja-vu ein, in Sinne von „Oh, genauso sehe ich aus, wenn ich versuche mit der Force automatische Schiebetüren zu öffnen. Drama, baby, drama!“. Des Overactings macht sich Julianne Moore als sich selbst ritzende, fanatische Gottesanbeter-Mutter weniger schuldig. Allerdings ist auch ihr Charakter so breit angelegt, dass er fast zur Parodie verkommt. Und das ist das größte Problem von Carrie. Der Film hat keine echten Menschen, nur Stereotype.

Aber kann der bekannten Handlung wenigstens etwas Neues abgewonnen werden? Wie gesagt, ich kenne die Vorlage nicht, Aber das, was Carrie bietet, ist eine lineare, klassisch erzählte Geschichte ohne Wendungen und Überraschungen. Nichts gegen Linearität, wenn sie gut ausgeführt ist. The Conjuring hat es zum Beispiel geschafft, dass Horrorgenre nicht neu zu erfinden, aber eine quasi-bekannte Geschichte frisch, aufregend und gruselig (!!) zu erzählen. The Conjuring funktionierte nicht zuletzt deshalb, weil der Film sich für seine Charaktere Zeit nimmt und sie so zeichnete, dass ich mich mit ihnen identifizieren konnte. Bei Carrie war mir ziemlich egal, was mit irgendeinem Charakter passierte. Natürlich bekommt die brünette Bitch am Ende ihre Rechnung (ihr Tod war aber ganz nett inszeniert). Natürlich musste Crazy-Mom am Ende ans Kreuz genagelt werden. An Kunstblut wird wahrlich nicht gespart. Auch nicht an kreativen Sterbearten à la Final Destination. Trotzdem tue ich mich schwer Carrie als Horrorfilm zu bezeichnen. Splatter? Vielleicht. Ich tue mich tatsächlich schwer, Carrie als überhaupt etwas zu bezeichnen. Schade.

Carrie kommt am 05. Dezember 2013 ins Kino.